Single-Order, Batch, Wave, Zone. FIFO, FEFO, LIFO. Pick-by-Light, Voice, Vision. Welche Strategie wann sinnvoll ist und welche Hardware dahinter steckt. Praxisnah, ohne Marketingsprech.
Pick-Strategie ist die Antwort auf zwei Fragen: Wie kombiniere ich Aufträge zu Touren (Single, Batch, Wave, Zone)? Und wie führe ich die Pickerinnen und Picker (Beleg, Scanner, Voice, Light, Vision)? Beide Achsen sind unabhängig, kombinierbar und sollten zur Lagerart, zum Mengengerüst und zum Sortiment passen. Ein modernes WMS unterstützt alle gängigen Strategien und wechselt zwischen ihnen je nach Auftrag.
Vier Grundmuster, die in fast jedem Lager kombiniert vorkommen. Welche dominiert, hängt von Auftragsstruktur und Volumen ab.
Eine Pickerin oder ein Picker bearbeitet einen Auftrag nach dem anderen. Einfach, fehlerarm, aber bei vielen kleinen Aufträgen ineffizient (lange Wege). Typisch für B2B-Komplettlieferungen oder hochpreisige Einzelartikel.
Mehrere Aufträge werden in einer Tour gepickt. Spart Wege erheblich. Die Sortierung in einzelne Aufträge passiert nachträglich an der Pack-Station. Standard im E-Commerce.
Aufträge werden zeitlich gruppiert (z.B. nach Versandzeit, Tour, Cut-off) und in Wellen gepickt. Erlaubt Optimierung pro Welle und enge Synchronisation mit Versand. Typisch in Großhandel und Distribution.
Lager ist in Zonen aufgeteilt. Jede Pickerin oder jeder Picker arbeitet eine Zone. Aufträge werden per Förderband oder Pick-Wagen zwischen Zonen weitergereicht. Effizient bei großen Lagern und schmalen Pick-Wegen.
Sechs Technologien für die operative Pick-Führung. Die Wahl beeinflusst Pickleistung, Fehlerquote, Schulungsaufwand und Hardware-Kosten.
Klassische Pick-Liste, hand-abgehakt. Niedrige Hardware-Kosten, aber hohe Fehlerquote, keine Echtzeit-Bestände, kein Audit-Trail. Heute nur noch in sehr kleinen Lagern üblich.
Handheld-Scanner mit Display führt Pickerinnen und Picker Schritt für Schritt. Standard im Lager heute, robust, gute Pickleistung, Plausibilitätsprüfung in Echtzeit.
Leuchtanzeigen am Lagerplatz zeigen die zu pickende Menge. Sehr hohe Pickleistung (1.000+ Picks/Stunde) in Kombination mit Batch-Picking. Hohe Hardware-Investition, lohnt sich bei hohem Volumen.
Pickerinnen und Picker bekommen Anweisungen per Headset, bestätigen per Sprache. Hände bleiben frei, hohe Pickleistung, sehr niedrige Fehlerquote. Beliebt im Kühllager und in der Tiefkühl-Logistik.
Datenbrille blendet Pick-Informationen ins Sichtfeld ein, Bestätigung per Gesten oder Sprache. Premium-Variante mit hoher Pickleistung. Akku und Tragekomfort sind die Themen.
Roboter (AGV, AMR, AutoStore) bringen die Ware zur Pickerin oder zum Picker an einer Station. Maximale Pickleistung pro Person, hohe Investition. Standard in modernen Fulfillment-Centern.
Die andere Achse der Pick-Logik: welcher physische Bestand wird ausgewählt, wenn mehrere Bins denselben Artikel haben?
Faustregel: B2C mit vielen kleinen Aufträgen → Batch-Picking mit Scanner. B2B mit großen Komplettlieferungen → Single-Order mit Scanner. Großhandel mit hohem Volumen → Wave mit Pick-by-Light oder Voice. Pharma → Voice oder Vision für Hände-frei und Fehlerquote. Die meisten Lager kombinieren mehrere Strategien parallel je nach Auftragstyp.
Ab etwa 5.000 Picks pro Tag und konstantem Sortiment lohnt sich Pick-by-Light meist. Bei stark wechselndem Sortiment oder kleineren Volumina ist die Hardware-Investition zu hoch im Verhältnis zum Effizienzgewinn. Voice ist oft die flexiblere Alternative.
Grobe Richtwerte pro Stunde und Pickerin/Picker: Papier 60-120 Picks, Scanner 100-200, Voice 150-250, Pick-by-Light 200-400, Pick-by-Vision 200-400, Goods-to-Person 400-600+. Stark abhängig von Sortimentsstruktur, Lagerlayout und Auftragsgröße.
Ja, sogar mehr denn je. Voice-Systeme sind robust, hände-frei, fehlerarm und besonders im Kühl- und Tiefkühllager unschlagbar (Hände bleiben in Handschuhen). Neuere Voice-Systeme arbeiten mit Mehrsprachigkeit und Bestätigungsmustern, die Fehler quasi ausschließen.
Heute noch nicht vollständig. Goods-to-Person ersetzt das Gehen, nicht den eigentlichen Pick. Voll-autonome Pick-Roboter (Stückgut greifen) sind im Einsatz, aber noch nicht universell einsetzbar. Realistischer Mittelweg: Roboter machen das Goods-to-Person, Menschen den finalen Pick, Pack und Versand.
Unser Matching gewichtet die unterstützten Pick-Strategien und Pick-Führungs-Technologien je WMS-Anbieter und filtert auf Systeme, die zu Ihrem Profil passen.
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