WMS für Medizintechnik.
UDI, Chargen, Sterilgut, Rückrufe nach MDR.
WMS für Medizintechnik steuert Lagerprozesse für Medizinprodukte nach der EU-Medizinprodukteverordnung MDR (Verordnung (EU) 2017/745): UDI-Kennzeichnung am Wareneingang, Chargen- und Seriennummernverfolgung bis zur Gesundheitseinrichtung, Sterilgutlogistik mit Haltbarkeitsmanagement, Rückrufmanagement und Konsignationslager für Kliniken und Arztpraxen. Die MDR ist ein eigenständiges Regelwerk für Medizinprodukte mit eigenen Anforderungen, getrennt von der GDP-Regulierung für Arzneimittel. Zielgruppe sind Medizintechnik-Hersteller, Fachhändler und Kontraktlogistiker, die Lagerprozesse MDR-konform und auf allen vier Risikoklassen abbilden müssen.
Warum ein Standard-WMS
an der MDR scheitert
Ohne spezialisiertes WMS
- UDI-DI und UDI-PI werden beim Wareneingang nicht erfasst oder verifiziert, die Kennung lebt nur auf der Verpackung, nicht im System.
- Chargen- und Seriennummern enden am eigenen Lager, welche Gesundheitseinrichtung ein Produkt erhalten hat, lässt sich nur mit Aufwand rekonstruieren.
- Sterilgut und Produkte mit Haltbarkeitsdatum liegen ohne FIFO-Logik im Lager, abgelaufene Ware fällt oft erst beim Griff ins Regal auf.
- Ein Rückruf oder eine Feldsicherheitskorrekturmaßnahme braucht Tage, weil betroffene Chargen, Lagerplätze und Empfänger händisch zusammengesucht werden müssen.
- Konsignationsbestände bei Kliniken werden nur über Excel-Listen abgeglichen, Entnahmen und Eigentumsübergang laufen zeitversetzt und fehleranfällig.
Mit WMS für Medizintechnik
- UDI-DI und UDI-PI werden beim Wareneingang gescannt, geprüft und mit Artikel, Charge und Lagerplatz verknüpft, Artikel 27 MDR wird so im Alltag abgebildet.
- Jede Charge und Seriennummer bleibt bis zur abgebenden oder empfangenden Gesundheitseinrichtung nachvollziehbar, wie es Artikel 25 MDR von Wirtschaftsakteuren verlangt.
- Sterilgut und befristet haltbare Produkte erhalten feste Lagerregeln, FIFO oder FEFO greift automatisch, Warnungen laufen vor Ablauf der Haltbarkeit.
- Ein Rückruf oder eine Feldsicherheitskorrekturmaßnahme liefert in Minuten die exakte Liste betroffener Chargen, Lagerplätze und belieferter Einrichtungen, meldepflichtig nach Artikel 87 MDR.
- Konsignationslager an Kliniken werden lagerplatzgenau geführt, Entnahme löst Eigentumsübergang und Abrechnung in Echtzeit aus, nicht erst beim nächsten Stichtag.
Quellen: Verordnung (EU) 2017/745 Artikel 25, 27 und 87, eur-lex.europa.eu, Stand 2026.
8 Anbieter mit
Medizintechnik-Bezug im Vergleich
Auszug aus dem Find-Your-WMS-Katalog: eine Auswahl von Anbietern, die Chargen- und Seriennummernverfolgung, Sterilgutprozesse oder Pharma- und Healthcare-Referenzen vorweisen. Alphabetisch sortiert, ohne Wertung, keine vollständige Marktübersicht. Konkrete UDI- und EUDAMED-Tiefe ist projektabhängig und beim Hersteller zu verifizieren.
| Anbieter | Segment | Preis ab | UDI- und Chargenverfolgung | Sterilgut und Haltbarkeit | Kernstärke | Profil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Generix WMS (Solochain)Frankreich, Cloud-first SaaS | Mittelstand | auf Anfrage | ≈ Chargen- und Seriennummernfelder vorhanden, UDI-Parsing laut Hersteller in der Demo prüfen | ≈ Details beim Hersteller anfragen | Cloud-first SaaS mit kurzer Einführungszeit laut Herstellerangabe | Zum Profil → |
| Infor WMSgegründet 2002, Hauptsitz New York, zuvor Atlanta | Enterprise | auf Anfrage | ✓ Chargen- und Seriennummernverwaltung Kernfunktion, UDI-Scanning projektabhängig (Herstellerangabe) | ≈ Details beim Hersteller anfragen | Mehrfacher Gartner Magic Quadrant Leader für WMS bis 2024 (Herstellerangabe) | Zum Profil → |
| KNAPP KiSoft WMSgegründet 1952, Hart bei Graz Österreich | Enterprise | auf Anfrage | ✓ Chargen- und Seriennummernverfolgung in Pharma- und Medizintechnik-Projekten dokumentiert (Herstellerangabe) | ✓ Sterilgut- und Kühlzonen-Erfahrung aus Pharma-Referenzen (Herstellerangabe) | Automatisierte Shuttle-Systeme, breite Healthcare-Referenzbasis | Zum Profil → |
| Infios (vormals Körber Supply Chain WMS)Rebranding im März 2025 | Enterprise | auf Anfrage | ≈ Chargen- und Seriennummern-Tiefe projektabhängig, in der Demo prüfen | ≈ Details beim Hersteller anfragen | Seit März 2025 Markenname Infios (vormals Körber Supply Chain Software) | Zum Profil → |
| PSI Software PSIwmsgegründet 1969, Berlin | Mittelstand | auf Anfrage | ≈ Chargenverfolgung modular verfügbar, UDI-Tiefe in der Demo prüfen | ≈ Details beim Hersteller anfragen | Modular, Mittelstand bis Enterprise | Zum Profil → |
| SAP Extended Warehouse ManagementSAP SE, gegründet 1972, Walldorf | Enterprise | auf Anfrage | ✓ Chargen- und Handling-Unit-Management als Basis für UDI-Abbildung (Herstellerangabe) | ≈ Sterilgutregeln projektspezifisch zu konfigurieren | Durchgängige ERP-Integration bei bestehender SAP-Landschaft | Zum Profil → |
| SSI Schäfer WAMASWAMAS-Portfolio seit Übernahme Salomon Automation 2008 | Mittelstand | auf Anfrage | ≈ Chargenverfolgung vorhanden, UDI-Parsing projektabhängig (Herstellerangabe) | ✓ Temperaturzonen für Kühl- und Pharma-Lager realisiert (Referenzprojekte) | Mehrzonen-Logistikzentren, Referenzen in Pharma und Food | Zum Profil → |
| viastore viadatviastore Systems, gegründet 1988, Stuttgart | Mittelstand | auf Anfrage | ≈ Chargenverfolgung vorhanden, UDI-Tiefe in der Demo prüfen | ≈ Details beim Hersteller anfragen | Branchenfokus Chemie, Pharma und Food laut Bestandsseiten | Zum Profil → |
Alle acht Systeme sind im Find-Your-WMS-Katalog mit Profil gelistet, Stand 2026. Preise auf Anfrage, da keiner der Hersteller öffentliche Listenpreise für Enterprise-WMS nennt. Vollständige Marktübersicht im Katalog.
Automatisierung, ERP-Tiefe und
Modularität im Vergleich
KNAPP KiSoft WMS
Hart bei Graz, Österreich, gegründet 1952
KNAPP kombiniert die Software KiSoft mit automatisierten Shuttle- und Fördersystemen und verweist laut Herstellerangabe auf dokumentierte Projekte in Pharma- und Medizintechnik-Umgebungen, unter anderem mit Kühlzonen für temperaturgeführte Ware. Die konkrete UDI- und EUDAMED-Anbindung ist projektabhängig und in der Demo zu prüfen.
- Automatisierte Shuttle-Systeme für hohe Durchsatzraten
- Rund 9.000 Mitarbeitende, 60 Standorte weltweit
- Pharma- und Healthcare-Referenzprojekte laut Herstellerangabe
auf Anfrage
SAP Extended Warehouse Management
SAP SE, Walldorf, gegründet 1972
SAP EWM führt Chargen- und Handling-Unit-Management als festen Bestandteil des Systems, das sich als Basis für eine UDI-Abbildung nutzen lässt, ohne eine separate UDI-Datenbank aufzubauen. Für Hersteller mit bestehender SAP-Landschaft ist die ERP-Integration der wesentliche Vorteil, Sterilgutregeln müssen projektspezifisch konfiguriert werden.
- Chargen- und Handling-Unit-Management als Kernfunktion
- Durchgängige Integration in bestehende SAP-ERP-Landschaften
- Sterilgut- und Haltbarkeitsregeln projektspezifisch konfigurierbar
auf Anfrage
PSI Software PSIwms
Berlin, gegründet 1969
PSIwms deckt laut Hersteller Mittelstand bis Enterprise modular ab und bietet Chargenverfolgung als Standardfunktion. Für Medizintechnik-Hersteller und Fachhändler eignet sich die Lösung vor allem dort, wo eine schrittweise Erweiterung um UDI- und Sterilgutprozesse gewünscht ist, die konkrete Tiefe ist in der Demo zu klären.
- Modularer Aufbau von Mittelstand bis Enterprise
- Chargenverfolgung als Standardfunktion
- UDI- und Sterilgut-Tiefe projektabhängig
auf Anfrage
Sechs Funktionen, die ein
MDR-konformes WMS mitbringen muss
UDI-Erfassung und Verifizierung
UDI-DI und UDI-PI werden beim Wareneingang gescannt und mit Artikel, Charge und Lagerplatz verknüpft, wie es das UDI-System nach Artikel 27 MDR vorsieht.
- Scan von UDI-DI und UDI-PI am Wareneingang
- Verknüpfung mit Artikel, Charge und Lagerplatz
- Abgleich gegen die UDI-Datenbank nach Artikel 28 MDR
Chargen- und Seriennummernverfolgung bis zum Endkunden
Nach Artikel 25 MDR müssen Wirtschaftsakteure benennen können, an welche Gesundheitseinrichtung oder Angehörigen der Gesundheitsberufe ein Produkt direkt abgegeben wurde.
- Chargen- und Seriennummer je Bewegung dokumentiert
- Verknüpfung mit der empfangenden Gesundheitseinrichtung
- Historie über die Aufbewahrungsfrist nach Artikel 10 Absatz 8 MDR
Sterilgutlogistik und Haltbarkeitsmanagement
Sterile und befristet haltbare Produkte benötigen feste Lagerregeln: FIFO oder FEFO, Prüfung der Verpackungsintegrität und automatische Warnung vor Ablauf der Haltbarkeit.
- FIFO- oder FEFO-Logik je Artikel
- Warnstufen vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums
- Sperre für Ware mit beschädigter oder abgelaufener Verpackung
Rückrufmanagement und Feldsicherheitskorrekturmaßnahmen
Eine Feldsicherheitskorrekturmaßnahme nach Artikel 2 Nummer 68 MDR muss vor Durchführung und ohne unangemessene Verzögerung an die Behörden gemeldet werden, Artikel 87 MDR setzt dafür feste Fristen.
- Sofortige Liste betroffener Chargen und Lagerplätze
- Verknüpfung mit belieferten Gesundheitseinrichtungen
- Dokumentierter Ablauf für Meldefristen nach Artikel 87 MDR
Konsignationslager für Kliniken und Arztpraxen
Beim Konsignationslager bleibt die Ware bis zur Entnahme im Eigentum des Herstellers oder Händlers, die Entnahme durch die Klinik löst Eigentumsübergang und Abrechnung aus.
- Lagerplatzgenaue Führung je Klinik oder Praxis
- Entnahmebuchung löst Eigentumsübergang und Rechnung aus
- Bestandsabgleich für Vendor- oder Buyer-Managed-Inventory
Risikoklassen-Steuerung nach MDR
Die vier Risikoklassen I, IIa, IIb und III nach Anhang VIII MDR verlangen unterschiedliche Überwachungs- und Dokumentationstiefe, ein WMS sollte diese Klassen artikelbezogen abbilden können.
- Risikoklasse als Pflichtfeld je Artikel
- Unterschiedliche Prüf- und Dokumentationsregeln je Klasse
- Strengere Nachweispflichten für implantierbare Produkte der Klasse III
Vier Schnittstellen, die ein
Medizintechnik-WMS zusammenhalten
UDI-Datenbank und EUDAMED-Module
- Abgleich gegen die UDI-Datenbank nach Artikel 28 MDR
- Vorbereitung auf die ab 28. Mai 2026 pflichtigen EUDAMED-Module
- Basic-UDI-DI als Verknüpfung für Produktvarianten
Bestand, Charge und Konsignationsabrechnung
- Chargen- und Bestandsabgleich in Echtzeit
- Abrechnung bei Entnahme aus dem Konsignationslager
- Handling-Unit-Management für Risikoklassen und Sterilgut
Barcode- und Data-Matrix-Erfassung
- UDI-Carrier nach GS1, HIBCC, ICCBBA oder IFA lesen
- Direktmarkierung bei wiederverwendbaren Produkten erfassen
- Mobile Erfassung am Wareneingang und bei Kommissionierung
Abruf- und Bestellsysteme für Konsignationslager
- Entnahmemeldung aus dem Klinik- oder Praxissystem
- Automatische Nachbestückung bei Vendor-Managed-Inventory
- Lückenlose Dokumentation vom Lager bis zur Gesundheitseinrichtung
Sechs Vorschriften, die ein
Medizintechnik-Lager einhalten muss
MDR Artikel 27, UDI-System
Verlangt eine UDI aus UDI-DI (Produktkennung) und UDI-PI (Produktionskennung), die der Hersteller vor dem Inverkehrbringen zuteilt, zur Identifikation und Rückverfolgbarkeit von Produkten.
- UDI-DI identifiziert das Produktmodell
- UDI-PI identifiziert Produktionseinheit und Charge
MDR Artikel 25, Rückverfolgbarkeitskette
Wirtschaftsakteure müssen benennen können, von wem sie ein Produkt direkt bezogen und an wen, einschließlich Gesundheitseinrichtungen, sie es direkt abgegeben haben.
- Direkte Lieferanten und direkte Abnehmer dokumentieren
- Gilt ausdrücklich auch für Gesundheitseinrichtungen
MDR Artikel 10 Absatz 8, Aufbewahrungsfrist
Technische Dokumentation und Konformitätserklärung müssen mindestens zehn Jahre nach dem letzten Inverkehrbringen verfügbar bleiben, bei implantierbaren Produkten mindestens 15 Jahre.
- Zehn Jahre Aufbewahrungsfrist im Regelfall
- 15 Jahre bei implantierbaren Produkten
MDR Artikel 2 Nummer 68 und Artikel 87, FSCA
Eine Feldsicherheitskorrekturmaßnahme ist eine technisch oder medizinisch begründete Maßnahme an bereits in Verkehr gebrachten Produkten und muss vor Durchführung ohne unangemessene Verzögerung gemeldet werden.
- FSCA-Definition nach Artikel 2 Nummer 68 MDR
- Meldung vor Durchführung nach Artikel 87 MDR
MDR Artikel 14, Pflichten der Händler
Händler müssen Lagerungs- und Transportbedingungen gemäß Herstellervorgaben sicherstellen und vor der Bereitstellung prüfen, ob CE-Kennzeichnung und, soweit anwendbar, eine UDI vorliegen.
- Lagerung und Transport nach Herstellervorgaben
- Prüfung von CE-Kennzeichnung und UDI vor Bereitstellung
EUDAMED, Beschluss (EU) 2025/2371
Vier EUDAMED-Module, Akteurregistrierung, UDI- und Geräteregistrierung, benannte Stellen und Zertifikate sowie Marktüberwachung, werden ab 28. Mai 2026 verpflichtend genutzt.
- Pflichtnutzung ab 28. Mai 2026
- Vollständige Produktregistrierung bis 28. November 2026
Quellen: Verordnung (EU) 2017/745 Artikel 10, 14, 25, 27 und 87, eur-lex.europa.eu · Beschluss (EU) 2025/2371 und Verordnung (EU) 2024/1860, Stand 03/2026.
Was ein WMS für
Medizintechnik zusätzlich kostet
Erfahrungswerte von Find-Your-WMS auf Basis der Lizenz- und Wartungsspannen aus der WMS-Kostenanalyse, ergänzt um die Zusatzkosten für UDI-Scanning, Sterilgutzonen und EUDAMED-Anbindung. Eigene Berechnung, keine Herstellerpreise.
| Größenklasse | Modell | Vorabinvestition oder Lizenz | Zusatzkosten Medizintechnik |
|---|---|---|---|
| Einstiegein Risikobereich, bis 20 Nutzer | SaaS-Abo | 100 bis 500 € pro Nutzer und Monat | 3.000 bis 20.000 € einmalig für UDI-Scanner und Sterilgutzone |
| MittelstandMedizintechnik-Fachhandel oder Hersteller mit Konsignation | On-Premise oder SaaS Enterprise | 50.000 bis 250.000 € | 20.000 bis 90.000 € für UDI-/EUDAMED-Schnittstelle und Konsignationsmodul |
| EnterpriseHersteller mit mehreren Risikoklassen und Sterilgutlager | On-Premise, projektspezifisch | 250.000 bis 600.000 € und mehr | 90.000 bis 350.000 € und mehr für Sterilgutzonen, Direktmarkierungs-Scanning und EUDAMED-Integration |
Eigene Kalkulation von Find-Your-WMS auf Basis der Lizenzspannen aus der WMS-Kostenanalyse (On-Premise 10.000 bis 600.000 € und mehr, SaaS 100 bis 500 € pro Nutzer und Monat, Wartung 10 bis 25 Prozent pro Jahr) plus Zusatzkosten für UDI-, Sterilgut- und EUDAMED-Anforderungen, Stand 2026.
WMS für Medizintechnik in
sechs Schritten auswählen
Risikoklassen und Produktportfolio einordnen
Festlegen, welche Risikoklassen I, IIa, IIb oder III im eigenen Sortiment vorkommen und welche Dokumentationstiefe daraus je Artikel folgt.
UDI- und EUDAMED-Anforderungen klären
Prüfen, welche UDI-Vergabestelle genutzt wird, wie Basic-UDI-DI und UDI-PI im System abgebildet werden und welche EUDAMED-Module ab Mai 2026 betroffen sind.
Rückverfolgbarkeits-Tiefe bis zum Endkunden definieren
Festschreiben, dass Chargen und Seriennummern bis zur abgebenden oder empfangenden Gesundheitseinrichtung nachvollziehbar bleiben, wie Artikel 25 MDR es verlangt.
Sterilgut- und Haltbarkeitsregeln ins Lastenheft aufnehmen
FIFO- oder FEFO-Logik, Warnstufen vor Ablauf der Haltbarkeit und Prüfung der Verpackungsintegrität als Pflichtanforderung festlegen, nicht erst nachträglich ergänzen.
Konsignationslager-Prozesse für Kliniken abbilden
Klären, ob Vendor- oder Buyer-Managed-Inventory benötigt wird und wie Entnahme, Eigentumsübergang und Abrechnung im WMS verknüpft werden.
Anbieter mit MDR-Erfahrung shortlisten und pilotieren
Nur Anbieter mit nachweisbaren Projekten in Pharma, Healthcare oder Medizintechnik in die engere Auswahl nehmen und UDI- sowie Rückrufprozesse vor dem Rollout in einem Pilotbereich testen.
Häufige Fragen
direkt beantwortet.
Was unterscheidet UDI-DI von UDI-PI?
Die UDI-DI (Device Identifier) ist die Produktkennung, die ein Produktmodell eindeutig identifiziert und als Schlüssel in der UDI-Datenbank nach Artikel 28 MDR dient. Alle Einheiten desselben Modells teilen sich dieselbe UDI-DI. Die UDI-PI (Production Identifier) identifiziert dagegen die konkrete Produktionseinheit, zum Beispiel Charge, Seriennummer oder Herstellungsdatum, und unterscheidet sich von Einheit zu Einheit. Ein WMS muss beide Kennungen getrennt erfassen und mit Lagerplatz und Bewegung verknüpfen können, sonst bleibt die Rückverfolgbarkeit lückenhaft.
Welche Module werden in EUDAMED ab wann verpflichtend?
Nach dem Beschluss (EU) 2025/2371 der Kommission sind vier EUDAMED-Module vollständig funktionsfähig: Akteurregistrierung, UDI- und Geräteregistrierung, benannte Stellen und Zertifikate sowie Marktüberwachung. Ihre Nutzung wird nach einer sechsmonatigen Übergangsfrist ab dem 28. Mai 2026 verpflichtend. Hersteller müssen sich dann als Wirtschaftsakteur registrieren und neue Produkte vor dem Inverkehrbringen in EUDAMED anmelden, die vollständige Registrierung auch älterer Produkte muss bis zum 28. November 2026 abgeschlossen sein. Die Module für klinische Prüfungen und Vigilanz sind davon nicht betroffen.
Was bedeuten die Risikoklassen I, IIa, IIb und III für die Lagerlogistik?
Die vier Risikoklassen nach Anhang VIII MDR richten sich nach dem Gefährdungspotenzial eines Medizinprodukts, von einfachen, nicht invasiven Produkten der Klasse I bis zu lebenserhaltenden Implantaten der Klasse III. Mit steigender Klasse wachsen die Anforderungen an Überwachung, periodische Sicherheitsberichte und bei Implantaten zusätzlich an Implantationskarten und Patienteninformationen. Für die Lagerlogistik bedeutet das: Je höher die Risikoklasse, desto lückenloser muss die Chargen- und Seriennummernverfolgung im WMS dokumentiert sein, weil im Schadensfall mehr Nachweispflichten greifen.
Wie lange müssen Rückverfolgbarkeitsdaten aufbewahrt werden?
Artikel 10 Absatz 8 MDR schreibt vor, dass Hersteller die technische Dokumentation, die EU-Konformitätserklärung und relevante Zertifikate den Behörden mindestens zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen des letzten von der Erklärung erfassten Produkts zur Verfügung stellen müssen. Bei implantierbaren Produkten verlängert sich diese Frist auf mindestens 15 Jahre. Ein WMS sollte Bewegungs- und Chargenhistorie entsprechend lange und unveränderlich vorhalten, auch wenn ein Artikel längst nicht mehr aktiv gelistet ist.
Was verlangt Artikel 25 MDR konkret von einem Lagerbetrieb?
Artikel 25 MDR verpflichtet Wirtschaftsakteure, auf Verlangen der zuständigen Behörde benennen zu können, von welchen anderen Wirtschaftsakteuren sie ein Produkt direkt bezogen haben und an welche sie es direkt abgegeben haben, einschließlich Gesundheitseinrichtungen und Angehörigen der Gesundheitsberufe. Für die Lagerlogistik bedeutet das, dass jede Wareneingangs- und Warenausgangsbuchung die Identität des direkten Vorlieferanten beziehungsweise Abnehmers festhalten muss, nicht nur die interne Lagerbewegung. Ein WMS, das nur den eigenen Bestand verwaltet, ohne diese Verknüpfung, erfüllt die Vorschrift nicht vollständig.
Was ist der Unterschied zwischen einem Rückruf und einer Feldsicherheitskorrekturmaßnahme (FSCA)?
Eine Feldsicherheitskorrekturmaßnahme (FSCA) ist nach Artikel 2 Nummer 68 MDR eine Maßnahme, die ein Hersteller aus technischen oder medizinischen Gründen ergreift, um das Risiko eines schwerwiegenden Vorkommnisses bei einem bereits auf dem Markt befindlichen Produkt zu verringern. Ein Rückruf, also die Rücknahme von Produkten, ist nur eine mögliche Ausprägung einer FSCA, andere sind Softwareupdates, geänderte Gebrauchsanweisungen, zusätzliche Schulungen oder technische Korrekturen vor Ort. Nach Artikel 87 MDR muss eine FSCA vor ihrer Durchführung und ohne unangemessene Verzögerung an die zuständigen Behörden gemeldet werden, in dringenden Fällen auch erst während der laufenden Umsetzung.
Wie funktioniert ein Konsignationslager für Kliniken rechtlich und logistisch?
Beim Konsignationslager lagert der Hersteller oder Händler Ware, die weiterhin in seinem Eigentum steht, direkt in oder bei der Klinik. Erst wenn die Klinik ein Produkt für die Behandlung entnimmt, geht das Eigentum über, und diese Entnahme löst die Abrechnung aus, entweder per Rechnung oder per Gutschriftverfahren. Die Bestandsführung läuft entweder als Vendor-Managed-Inventory, bei dem der Hersteller den Bestand steuert, oder als Buyer-Managed-Inventory, bei dem die Klinik selbst nachbestellt. Ein WMS muss diese Entnahmebuchung, den Eigentumsübergang und die Chargenzuordnung lagerplatzgenau miteinander verknüpfen, sonst entstehen Lücken in der Rückverfolgbarkeit bis zur Gesundheitseinrichtung.
Welche Lagerregeln gelten für Sterilgut mit Haltbarkeitsdatum?
Sterilverpackte Produkte behalten ihre vom Hersteller festgelegte Haltbarkeit nur bei korrekter Lagerung: trocken, mit höchstens etwa 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, ohne starke Temperaturschwankungen und mit sauberer Trennung von unreiner Ware. Offen gelagerte Primärverpackungen sollten laut Hygienevorgaben innerhalb von 48 Stunden verwendet werden, geschützt gelagerte Primärverpackungen je nach Vorgabe bis zu sechs Monate oder bis zum aufgedruckten Verfallsdatum. Ein WMS unterstützt die Einhaltung dieser Regeln über automatische FIFO- oder FEFO-Logik und Warnstufen vor Ablauf der Haltbarkeit, die Entnahme sollte zusätzlich eine Prüfung der Verpackungsintegrität verlangen.
Welche Stellen vergeben UDI-Kennungen und welche Formate kommen vor?
Die EU-Kommission hat bislang vier Vergabestellen benannt: GS1, Health Industry Business Communications Council (HIBCC), ICCBBA und die Informationsstelle für Arzneispezialitäten (IFA GmbH). Jede Stelle betreibt ein eigenes Kodierschema für UDI-DI und UDI-PI, die als Barcode oder Data-Matrix-Code auf Verpackung oder, bei wiederverwendbaren Produkten, direkt auf dem Produkt angebracht werden. Ein WMS sollte an der Wareneingangsstation alle gängigen Formate dieser vier Stellen lesen können, damit UDI-Erfassung nicht von einer einzelnen Vergabestelle abhängt.
Was kostet ein WMS für Medizintechnik zusätzlich gegenüber einem Standardlager?
Zur normalen WMS-Lizenz, die je nach Modell zwischen 100 und 500 Euro pro Nutzer und Monat bei SaaS oder 10.000 bis 600.000 Euro und mehr bei On-Premise liegt, kommen bei Medizintechnik Zusatzkosten für UDI-Scanning, Sterilgutzonen, Konsignationsmodule und EUDAMED-Anbindung hinzu. Nach Erfahrungswerten von Find-Your-WMS liegen diese je nach Größenklasse zwischen 3.000 Euro im Einstiegsbereich und 350.000 Euro oder mehr bei Enterprise-Herstellern mit mehreren Risikoklassen und eigenem Sterilgutlager. Wie hoch der tatsächliche Aufschlag ausfällt, hängt stark davon ab, ob UDI-Scanning und Konsignationsprozesse neu aufgebaut oder nur erweitert werden.
Welche Anbieter haben nachweisliche Erfahrung mit Pharma- oder Healthcare-Logistik?
KNAPP und SSI Schäfer gehören laut eigenen Angaben zu den Anbietern mit dokumentierten Referenzprojekten in Pharma- und Healthcare-Umgebungen, etwa mit Kühlzonen für temperaturgeführte Ware oder Mehrzonen-Logistikzentren. SAP EWM bringt mit Chargen- und Handling-Unit-Management eine solide Basis für UDI-Abbildung, sofern bereits eine SAP-Landschaft besteht. Bei kleineren, spezialisierten Anbietern wie PSIwms, Infios, Infor WMS, Generix Solochain oder viastore viadat ist die konkrete UDI- und Sterilgut-Tiefe stärker projektabhängig und sollte in der Demo anhand des eigenen Produktportfolios geprüft werden.
Wie unterscheidet sich diese Seite von der bestehenden Seite zu WMS für Pharma-Distribution?
Die Seite WMS für Pharma-Distribution behandelt die GDP-Leitlinien (Good Distribution Practice) für Arzneimittel nach der deutschen Arzneimittelhandelsverordnung und dem EU-GDP-Regelwerk, mit Themen wie FMD-Serialisierung über securPharm und der Großhandelserlaubnis nach Paragraf 52a AMG. Im Fokus steht dagegen die MDR (Medical Device Regulation, Verordnung (EU) 2017/745) für Medizinprodukte, ein eigenständiges Regelwerk mit eigenen Begriffen und Fristen: UDI-System, EUDAMED, Risikoklassen nach Anhang VIII und Feldsicherheitskorrekturmaßnahmen. Arzneimittel und Medizinprodukte unterliegen unterschiedlichen Verordnungen, auch wenn beide Branchen ähnliche Logistikfragen wie Chargenverfolgung und Temperaturführung kennen. Wer GDP-Anforderungen für Arzneimittel sucht, findet sie auf der Pharma-Distribution-Seite, wer MDR-Anforderungen für Medizinprodukte sucht, ist hier richtig.
Wie lange dauert die Einführung eines WMS für Medizintechnik?
Die Einführungsdauer hängt stark davon ab, wie viele Risikoklassen im Sortiment vorkommen und ob UDI-Scanning, Sterilgutregeln und Konsignationsprozesse neu aufgebaut oder nur erweitert werden. Bei einer SaaS-Lösung mit überwiegend Klasse-I- und IIa-Produkten sind einige Wochen bis wenige Monate realistisch, bei einem Enterprise-Hersteller mit Klasse-III-Implantaten, eigenem Sterilgutlager und EUDAMED-Anbindung eher sechs bis zwölf Monate oder länger. Ein Pilotbetrieb in einem Risikobereich vor dem vollständigen Rollout verkürzt das Risiko, verlängert aber die Gesamtprojektlaufzeit etwas. Genaue Zeitpläne liefert erst das konkrete Lastenheft.
Das richtige WMS für
Ihre Medizintechnik.
Das WMS-Matching gleicht Ihr Anforderungsprofil für UDI-Kennzeichnung, Chargen- und Seriennummernverfolgung, Sterilgutlogistik und Konsignationslager strukturiert mit Anbietern ab, die das nachweisbar beherrschen. Das Selection Portal dokumentiert Anforderungen, Anbieterkontakt und Entscheidung durchgängig, mit IT-Systemlandschaft und direktem Anbieterkontakt statt Bewertungsportal-Logik.