WMS für Fashion und Textilhandel: Anbieter, Retouren und Kosten 2026
Ein Warehouse-Management-System (WMS) für Fashion und Textilhandel muss Größen- und Farbvarianten als eigene SKUs abbilden, Retourenquoten verarbeiten, die laut EHI-Studie 2025 bei über einem Drittel der Fashion-Händler oberhalb von 36 Prozent liegen, Filialen als vollwertige Fulfillment-Standorte für Click and Collect und Ship-from-Store anbinden und seit Juli 2026 auch das neue EU-Vernichtungsverbot für unverkaufte Mode abbilden. Der deutsche Fashionmarkt erzielte 2025 einen Umsatz von 58,5 Milliarden Euro bei einer Online-Durchdringung von 42,5 Prozent, deutlich über dem Durchschnitt anderer Warengruppen. Diese Seite ordnet Marktzahlen, Kernanforderungen und neun Anbieter mit WMS- und Supply-Chain-Kompetenz für Fashion und Textilhandel für 2026 ein.
SKU-Komplexität, Retouren und Omnichannel als Dauerlast
Zwei Kräfte bestimmen, was ein WMS für Fashion und Textilhandel leisten muss: die strukturelle Komplexität der Ware selbst und die Erwartungshaltung an nahtlose Kanäle, verstärkt durch neue regulatorische Pflichten.
Herausforderung: SKU-Dichte, Retourendruck und neue Regulierung
Ein Basisartikel in fünf Größen und vier Farben erzeugt bereits 20 separate SKUs im System. Fachpublikationen zur Bekleidungslogistik bringen es auf den Punkt: Ein einziger Artikel bedeutet im System oft dutzende SKUs. Diese Dichte erschwert Inventur, Slotting und Kommissionierung erheblich.
Gleichzeitig ist Fashion branchenweit die Warengruppe mit den höchsten Retourenquoten. Laut EHI-Studie 2025 verzeichnen 12,2% der befragten Fashion-Händler Retourenquoten über 50%, weitere 24,5% liegen zwischen 36 und 50%. Deloitte beziffert den Fashion-Anteil an allen B2C-Online-Retouren mit 90%, bei Kosten von bis zu 20 Euro pro Artikel.
- 66% nennen laut Deloitte 2026 eine falsche Größe als Hauptrücksendegrund
- Elektronik- und Möbelhändler liegen dagegen meist unter 10% Retourenquote
- 2025 wurden in Deutschland rund 550 Mio. Pakete retourniert, ein neuer Höchstwert
- Seit 19.7.2026 verbietet die EU-Ökodesign-Verordnung Großunternehmen die Vernichtung unverkaufter Kleidung und Schuhe, verbunden mit einer Transparenzpflicht zu Entsorgungsmengen (BMUKN 2026)
Lösung: Ein Bestandsmodell für alle Kanäle
Ein Fashion-WMS muss Varianten nativ als strukturierte SKU-Hierarchie führen statt als unabhängige Einzelartikel, und Zentrallager- sowie Filialbestände in einem gemeinsamen Echtzeit-Modell verwalten.
Fachartikel zur Filiallogistik im Modehandel beziffern die für zuverlässiges Click and Collect und Ship-from-Store nötige Bestandsgenauigkeit mit über 98%, bei einer Zeitersparnis von bis zu 20% pro Auftrag durch geführte Kommissionierprozesse.
- Cross-Docking verteilt Neuware ab Wareneingang direkt an Filialen, ohne Zwischenlagerung
- Getrennte Logik für Hänge- und Flachware reduziert Handling-Fehler
- Ungenaue Bestandsdaten führen sonst zu Stornierungen trotz physisch vorhandener Ware
- Laut Manhattan Associates Global Unified Commerce Benchmark 2026 erreicht nur Hugo Boss Deutschland unter den großen deutschen Modemarken die Stufe „Advanced“, während Peek & Cloppenburg, Birkenstock, Deichmann, Ernsting's Family, KiK und NewYorker noch auf Basisniveau liegen – in EMEA verbessern Vorreiter ihre Bestandsumschlagsgeschwindigkeit dadurch um 45%
Neun Anbieter mit Fashion- und Retail-Kompetenz im Vergleich
Die Reihenfolge ist alphabetisch und stellt keine Wertung dar. Preisangaben sind grobe Marktsegment-Einordnungen, die meisten Enterprise-Anbieter kalkulieren projektbezogen ohne öffentliche Preisliste. Setlog OSCA ist als ergänzende Supply-Chain-Plattform gekennzeichnet und kein Kern-WMS.
| Anbieter | Zielgruppe | Deployment | Preisklasse | Fashion-Schwerpunkt |
|---|---|---|---|---|
| Blue YonderWarehouse Management | Apparel-/Footwear-Marken, Hersteller | Cloud | Enterprise, auf Anfrage | Returns Management für Apparel & Footwear, Bestandsoptimierung |
| Ehrhardt Partner GroupLFS.wms | Mittelstand bis Enterprise DACH | On-Premise, Cloud | Mittelstand bis Enterprise | Pick-by-Voice/-Light, RFID, AutoStore-Integration |
| enventa Fashion WMSenventa Group | Logistikdienstleister, Handel, Hersteller Fashion | Cloud, On-Premise, mandantenfähig | auf Anfrage, modulares Lizenzmodell | Getrennte Hänge-/Flachware-Logik, AutoStore, Sorter |
| fulfillmenttoolsOC Fulfillment GmbH | Filialisten, Omnichannel-Retail | Cloud-natives Order-Management | Enterprise, auf Anfrage | Ship-from-Store, Order-Routing über Filialen |
| Infiosvormals Körber Supply Chain | Fashion, Apparel, Footwear, Enterprise bis Einstieg | Cloud, On-Premise | Enterprise, auf Anfrage | Eigene Branchenseite Fashion/Apparel/Footwear, Gartner Leader |
| Manhattan ActiveWarehouse Management | Große Retailer, ausgeprägtes Filialnetz | Cloud-native Microservices | Enterprise | Omnichannel-Fulfillment, Referenzkunde C&A |
| SAP EWMfür Fashion (AFS) | SAP-Bestandskunden, Fashion-Konzerne | On-Premise, S/4HANA, Cloud | Enterprise | Branchenlösung AFS, Referenzkunde s.Oliver |
| GenerixSolochain WMS | Mittelstand bis Enterprise | Cloud-SaaS | auf Anfrage | Solochain Now, 16 Wochen Inbetriebnahme laut Anbieter |
| SetlogOSCA Supply Chain Platform | Fashion-/Konsumgüter-Marken, internationale Lieferketten | Cloud-SaaS | auf Anfrage | Lieferketten-Sichtbarkeit, ASN/EDI mit Lager verknüpft, kein Kern-WMS |
Sieben Anbieter im Detail
Vertiefte Profile der Anbieter mit dem klarsten öffentlich dokumentierten Fashion-Bezug, inklusive Referenzkunden und Einschränkungen.
Manhattan Active Warehouse Management
Cloud-native, mikroservice-basierte Plattform mit versionslosen Zero-Downtime-Updates für große Omnichannel-Retailer mit Filialnetz (manh.com, 2025).
- Referenzkunde C&A: laut Anbieter Implementierung innerhalb weniger Monate
- Lieferzeiten unter zwei Stunden in einigen brasilianischen Städten über Omnichannel-Prozesse
- Hoher Implementierungsaufwand, für kleinere Fashion-Händler meist unwirtschaftlich
SAP Extended Warehouse Management für Fashion
Tief integriertes WMS mit Branchenlösung AFS (Apparel and Footwear Solution) für Unternehmen mit bestehender SAP-Landschaft (sap.com, igz.com).
- Referenzfall s.Oliver: rund 90 Mio. Artikel jährlich über neun Logistikstandorte
- Zwölf Kollektionen pro Marke und Jahr bei mehreren Fashion-Labels im Konzern
- Hoher Beratungsaufwand, volle Funktionstiefe erst im SAP-Gesamtökosystem
Infios Warehouse Management
Vormals Körber Supply Chain Software, seit 2025 als Infios firmierend, mit eigener Branchenseite Fashion, Apparel and Footwear (koerber-supplychain.com, infios.com).
- Zum achten Mal in Folge Leader im Gartner Magic Quadrant für WMS 2026
- Einzige als Gartner-Peer-Insights-Customers-Choice ausgezeichnete WMS-Plattform
- Flexible Kommissionierung bei wechselnden Volumina, Verwaltung diverser Materialien, Farben und Größen
enventa Fashion WMS
Modul der enventa-Fashion-Suite, explizit für Hänge- und Flachware-Logistik konzipiert, mandantenfähig für 3PL-Betriebe (enventa-group.com, 2025/2026).
- Getrennte Logik für Hängeware und Flachware statt einheitlicher Standardprozesse
- Integration von AutoStore, Sortern und Put-to-Light-Systemen
- Volle Funktionstiefe vor allem in Kombination mit dem eigenen enventa-ERP
fulfillmenttools
Cloud-natives Order-Management- und Fulfillment-Orchestrierungssystem aus Hamburg für Filialisten, positioniert als „Agentic Order Management“ (fulfillmenttools.com, 2025/2026).
- Order-Routing über mehrere Lager- und Filialstandorte, Ship-from-Store
- Kein klassisches Kern-WMS mit physischer Lagerplatzverwaltung im Zentrallager
- Meist als Ergänzung zu einem klassischen WMS eingesetzt, nicht als Ersatz
Ehrhardt Partner Group (LFS.wms)
Eines der am DACH-Markt am längsten etablierten WMS, mit Pick-by-Voice/-Light, RFID und AutoStore-Integration aus einer Hand (ehrhardt-partner.com).
- Contract-Logistics-Dienstleister Simon Hegele mit Modelogistik setzt LFS.wms ein
- Im textilnahen Industriefall Itema-Group: 40 Sortierbahnen, rund 800.000 Picks jährlich
- Öffentliche Detailinformationen zu Fashion-Einzelhandelsfunktionen spärlicher dokumentiert
Setlog OSCA
Cloud-basierte Supply-Chain-Management-Plattform aus Bochum (gegründet 2001), die Lieferanten, Spediteure und Lagerprozesse für Fashion- und Konsumgütermarken digital verbindet; laut Anbieter über 150 Marken und mehr als 40.000 Nutzer in 92 Ländern (setlog.com, 2026).
- Jack Wolfskin nutzt OSCA seit 2016 für Auftragsbestätigungen, Produktionstracking und Lieferavise zwischen Lieferanten in China, Vietnam und Thailand und dem Lager
- Karl Lagerfeld (200+ Stores) steuert damit Bestellungen, ASN und Speditionskoordination digital – laut Rudy Boogaard, Senior Director Operations & Supply Chain, bringt OSCA „mehr Transparenz in die Lieferkette“
- Kein Kern-WMS mit physischer Lagerplatzverwaltung, sondern vorgelagerte Sichtbarkeits- und Steuerungsschicht, die WMS-Daten per EDI/Barcode einbindet
Was ein Fashion-WMS zwingend können muss
Diese sieben Funktionsblöcke entscheiden über Fulfillment-Qualität und Compliance-Fähigkeit in der Fashion-Logistik.
Variantenmanagement
Native Abbildung von Größen-, Farb- und Materialvarianten als strukturierte SKU-Hierarchie statt unabhängiger Einzelartikel, inklusive Größentabellen-Logik.
- Ein Artikel bedeutet im System oft dutzende SKUs
Digitalisierte Retourenabwicklung
Schnelle Wareneingangsprüfung, automatisierte Qualitätsklassifizierung und zügige Wiedereinlagerungs- beziehungsweise Aussteuerungsentscheidung.
- 90% aller Fashion-B2C-Retouren, EHI/Deloitte 2025/2026
Filialübergreifende Bestandstransparenz
Ein gemeinsames Echtzeit-Bestandsmodell über Zentrallager, Filialen und Onlinekanal für zuverlässiges Click and Collect und Ship-from-Store.
- Angestrebte Bestandsgenauigkeit über 98%
Peak-Handling bei Kollektionswechseln
Skalierbare Kapazität für Kollektionswechsel, Vororder-Wellen und Aktionsspitzen wie Black Week ohne Performanceeinbußen.
- DHL: fast Verdopplung des Paketvolumens an Spitzentagen 2025
Hänge- und Flachware-Handling
Getrennte Lager-, Kommissionier- und Versandlogik für Hängeware am Bügel und gefaltete Flachware, da beide Warentypen unterschiedliche Anforderungen stellen.
- Nicht jedes generische WMS bildet beide Typen gleichermaßen gut ab
Cross-Docking für Kollektionsstarts
Direkte Warenverteilung ab Wareneingang an Filialen oder Aufträge ohne vollständige Einlagerung, um Lagerzeiten bei Vororder-Wellen zu reduzieren.
- Reduziert Handling-Aufwand bei jedem Kollektionsstart
EU-Vernichtungsverbot und Produktpass
Seit 19. Juli 2026 verbietet die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) Großunternehmen ab 250 Mitarbeitenden bzw. über 50 Mio. Euro Jahresumsatz die Vernichtung unverkaufter Kleidung, Schuhe und Modeaccessoires (ab 2030 auch für mittlere Unternehmen); betroffene Ware muss wiederverkauft, gespendet oder aufbereitet werden, mit Transparenzpflicht zu Entsorgungsmengen.
- Ab Juli 2027 kommt der Digitale Produktpass für Textilien mit Pflichtangaben zu Materialzusammensetzung und Herkunft hinzu (BMUKN, gorilla.green 2026)
Was ein Fashion-taugliches WMS kostet
Belastbare, marktweite Preisbenchmarks speziell für Fashion-WMS sind öffentlich kaum verfügbar, da Preise stark von SKU-Anzahl, Filialzahl und Omnichannel-Integrationstiefe abhängen.
| Kostenblock | Größenordnung | Hinweis |
|---|---|---|
| Cloud-/SaaS-Lizenz Mittelstand | 100–500 €/Nutzer/Monat | Fashion-Zusatzmodule für Varianten/Retouren können den Umfang erhöhen |
| On-Premise-Enterprise-Lizenz | 200.000–600.000 €+ | Etwa SAP EWM, Manhattan Active im Vollausbau mit Filialnetz |
| Implementierung | 5.000–150.000 € | 1,5- bis 4-fache der Lizenzsumme, bei Filial-/Omnichannel-Anbindung eher oberes Ende |
| Hardware pro Arbeitsplatz | 800–2.000 € | MDE-Scanner, Etikettendrucker, WLAN; zusätzliche Endgeräte je Filialstandort |
| Wartung/Support p. a. | 10–25% der Lizenzkosten | Bei On-Premise-Lizenzen, SaaS meist inklusive |
| Personalkosten-Referenz Kommissionierung | 13,90 €/Std. (Mindestlohn 2026) | Gesetzlicher Mindestlohn steigt 2027 auf 14,60 €/Std.; erhöht den ROI-Druck für automatisierte Kommissionierung wie Pick-by-Voice, Pick-to-Light oder AutoStore |
| Versteckte Kosten | 20–50% des initialen Budgets | Datenmigration, Parallelbetrieb, besonders bei paralleler Filial-/Zentrallageranbindung |
Da die überwiegende Mehrheit der Fashion-WMS-Anbieter keine öffentlichen, verbindlichen Preislisten veröffentlicht, sollten Unternehmen für eine belastbare Budgetplanung mehrere individuelle Angebote einholen und transparent nach Lizenz-, Implementierungs-, Integrations- und Supportkosten für Varianten- und Retourenmanagement sowie Filialanbindung fragen (find-your-software.de, bitergo.com, 2026).
Der gesetzliche Mindestlohn ist zwischen 2025 und 2026 um 8,4% auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen; bei arbeitsintensiver Fashion-Kommissionierung mit hoher Zeilenzahl pro Auftrag verschiebt das die Wirtschaftlichkeitsrechnung zunehmend zugunsten automatisierter Lösungen (Quelle: gesetzlicher Mindestlohn, zitiert in etailment.de, 2026).
Fashion-WMS in sechs Schritten auswählen
Ein allgemeines Retail-Label allein garantiert keine Fashion-Tauglichkeit, entscheidend ist der Funktionsnachweis anhand der eigenen Variantenstruktur und Retourenquote.
Variantenstruktur erfassen
Durchschnittliche Anzahl an Größen- und Farbvarianten pro Artikel sowie Hänge-/Flachware-Anteil im eigenen Sortiment dokumentieren.
Retourenprozess im Detail durchgehen
Wareneingangsprüfung, Qualitätsklassifizierung und automatisierte Wiedereinlagerung im Demo-System anhand realer Retourenquoten nachvollziehen.
Omnichannel-Szenario durchspielen
Click-and-Collect- und Ship-from-Store-Prozesse mit Filialbestandsanbindung konkret am System testen.
Saisonalität und Peak-Handling prüfen
Anbieter nach dokumentierter Skalierung bei Kollektionsstarts, Vororder-Wellen und Sale-Phasen fragen.
Referenzen aus dem Fashion-Segment einholen
Gezielt nach Kunden mit vergleichbarer Filialzahl, SKU-Dichte und Retourenquote fragen, statt allgemeine Retail-Referenzen zu akzeptieren.
TCO über fünf Jahre kalkulieren
Lizenz, Implementierung, Filialhardware und laufenden Support gemeinsam budgetieren, nicht nur die Einstiegslizenz.
Häufige Fragen zu Fashion-WMS
Die zwölf Fragen, die bei der Auswahl eines WMS für Fashion und Textilhandel am häufigsten gestellt werden.
Warum reicht ein Standard-WMS für den Fashionhandel oft nicht aus?
Ein Standard-WMS ist meist für große, palettenbasierte Warenbewegungen mit geringer Variantenzahl ausgelegt. Fashion-Logistik erfordert dagegen die native Abbildung Dutzender SKUs pro Artikel durch Größen und Farben, hohe Retourenquoten von teils über 50 Prozent, Hänge- und Flachware-Handling sowie ein gemeinsames Omnichannel-Bestandsmodell über Zentrallager und Filialen. Ohne diese Spezialfunktionen entstehen manuelle Workarounds, die Fehlerquote und Bearbeitungszeit erhöhen.
Wie hoch sind die Retourenquoten im Fashion-E-Commerce tatsächlich?
Laut EHI-Studie 2025 verzeichnen 12,2 Prozent der befragten deutschen Fashion-Händler Retourenquoten von über 50 Prozent, weitere 24,5 Prozent liegen zwischen 36 und 50 Prozent. Deloitte beziffert den Anteil von Fashion an allen B2C-Online-Retouren mit 90 Prozent, bei Retourenkosten von bis zu 20 Euro pro Artikel.
Was ist der häufigste Grund für Fashion-Retouren, und kann ein WMS das lösen?
Laut Deloitte nennen 66 Prozent der Befragten eine falsche Größe als Hauptgrund für Rücksendungen. Ein WMS allein löst dieses Problem nicht, unterstützt aber die nachgelagerte Prozesskette mit schneller Wareneingangsprüfung, Qualitätsklassifizierung und Wiedereinlagerung. Größenberatungstools setzen dagegen vorgelagert im Shop an, laut Deloitte nutzen bereits 29 Prozent der Befragten solche KI-gestützten Size-Advisor-Tools aktiv.
Was bedeutet SKU-Komplexität konkret für die Lagersteuerung?
Ein Basisartikel in mehreren Größen und Farben erzeugt im System eine Vielzahl separater SKUs, ein einziger Artikel bedeutet im System oft dutzende SKUs. Das WMS muss diese Struktur für Bestandsführung, Slotting und Kommissionierung sauber abbilden, statt jede Variante wie einen unabhängigen Artikel zu behandeln, da sonst Inventurgenauigkeit und Pickeffizienz leiden.
Was ist der Unterschied zwischen Click and Collect und Ship-from-Store?
Bei Click and Collect bestellt die Kundschaft online und holt die Ware in der Filiale ab, bei Ship-from-Store wird eine Online-Bestellung direkt aus dem Filialbestand kommissioniert und an die Kundenadresse versendet. Beide Modelle setzen ein gemeinsames Echtzeit-Bestandsmodell über Zentrallager und Filialen voraus, da sonst Stornierungen durch ungenaue Bestandsdaten entstehen. Fachartikel beziffern die dafür angestrebte Bestandsgenauigkeit mit über 98 Prozent.
Was ist Cross-Docking, und warum ist es für Fashion-Neuware relevant?
Cross-Docking bezeichnet die direkte Warenverteilung ab Wareneingang an Filialen oder Aufträge, ohne die Ware vollständig einzulagern. Bei Kollektionsstarts und Vororder-Wellen reduziert das die Lagerzeiten und den Handling-Aufwand erheblich, da Neuware nicht erst ein- und dann wieder ausgelagert werden muss, sondern direkt weiterverteilt wird.
Wie stark schwankt das Bestellvolumen saisonal im Fashionhandel?
Sehr stark. Kollektionswechsel und Sale-Phasen erzeugen zusätzliche Spitzen über das allgemeine E-Commerce-Peak-Season-Muster hinaus. Zum Vergleich der Größenordnung verzeichnete DHL am Spitzentag der Black Week 2025 in Deutschland 12,4 Millionen Pakete gegenüber einem Normalvolumen von rund 6,7 Millionen Paketen pro Tag, nahezu eine Verdopplung. Ein Fashion-WMS ohne elastische Skalierungsfähigkeit gerät in solchen Phasen schnell an Kapazitätsgrenzen.
Was kostet ein Fashion-WMS ungefähr?
Cloud- beziehungsweise SaaS-Lösungen für den Mittelstand bewegen sich in der Bandbreite von 100 bis 500 Euro pro Nutzer und Monat, On-Premises-Enterprise-Lizenzen wie SAP EWM oder Manhattan Active liegen zwischen 200.000 und 600.000 Euro oder mehr. Implementierungskosten machen üblicherweise das 1,5- bis 4-fache der Lizenzsumme aus. Da Fashion-Projekte häufig zusätzliche Filial- und Omnichannel-Integrationen erfordern, liegen die Gesamtkosten tendenziell am oberen Ende der jeweiligen Bandbreite.
Lohnt sich ein spezialisiertes Fashion-WMS auch für kleinere Modehändler?
Für kleinere Modehändler mit überschaubarer Variantenzahl und einer einzelnen Lagerlokation kann ein ERP mit integriertem Fulfillment-Modul zunächst ausreichen. Sobald jedoch mehrere Filialstandorte mit Ship-from-Store, komplexe Größentabellen, hohe Retourenquoten oder Automatisierungstechnik wie AutoStore oder Sorter hinzukommen, wird ein dediziertes WMS mit fashion-spezifischer Variantenlogik in der Regel wirtschaftlich sinnvoll.
Welche Rolle spielt Hänge- und Flachware-Handling bei der Anbieterauswahl?
Fashion-Lager verwalten sowohl Hängeware, also Oberbekleidung am Bügel, platzintensiv und empfindlich gegen Knittern, als auch Flachware, also gefaltete Ware und Accessoires, mit unterschiedlichen Lager-, Kommissionier- und Versandanforderungen. Nicht jedes generische WMS bildet beide Warentypen gleichermaßen gut ab, spezialisierte Fashion-WMS wie enventa Fashion WMS werben explizit mit getrennter Logik für beide Warentypen.
Was bedeutet das EU-Vernichtungsverbot für unverkaufte Mode ab Juli 2026 für die Lagerlogistik?
Seit dem 19. Juli 2026 verbietet die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) Großunternehmen ab 250 Mitarbeitenden oder mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz, unverkaufte Kleidung, Schuhe und Modeaccessoires zu vernichten, für mittlere Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitenden gilt die Pflicht ab Juli 2030. Betroffene Ware muss stattdessen wiederverkauft, gespendet, weiterverarbeitet oder recycelt werden, verbunden mit einer Transparenzpflicht zu Entsorgungsmengen. Für ein Fashion-WMS bedeutet das neue Pflichtprozesse zur Erfassung und Aussteuerung von Überbestand und Retouren in Wiederverkaufs-, Spenden- oder Aufbereitungskanäle statt reiner Entsorgung, da laut Bundesumweltministerium EU-weit rund 5,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen jährlich durch vernichtete Textilien entstehen.
Wie weit ist der deutsche Modehandel bei Unified Commerce tatsächlich?
Laut dem Global Unified Commerce Benchmark 2026 von Manhattan Associates, der über 400 Unternehmen anhand von 330 Kennzahlen bewertet, erreichen weltweit nur 7 Prozent aller untersuchten Händler den höchsten Reifegrad Leading. Unter den deutschen Modemarken schafft es nur Hugo Boss Deutschland in die Kategorie Advanced, während Peek & Cloppenburg, Birkenstock Deutschland, Deichmann, Ernsting's Family, KiK und NewYorker auf Basisniveau eingestuft werden. In der EMEA-Region verbesserten Unternehmen mit fortgeschrittener Bestandstransparenz laut derselben Studie ihre Lagerumschlagsgeschwindigkeit um 45 Prozent, was die Bedeutung eines Echtzeit-Bestandsmodells für Fashion-WMS unterstreicht.
Fashion-Fulfillment beginnt vor der Softwareauswahl
Nicht jedes System mit Retail-Label beherrscht Variantenmanagement, hohe Retourenquoten und Ship-from-Store gleichermaßen. Das WMS-Matching gleicht Ihr Anforderungsprofil strukturiert mit Anbietern ab, die Fashion- und Omnichannel-Kompetenz nachweisbar mitbringen.