SAP im Lager · Fristen

SAP WM Wartungsende: Fristen und Handlungsoptionen

Das Wartungsende für SAP WM zwingt jeden SAP-Bestandskunden mit eigenem Lager zu einer Entscheidung. Für Industrie, Handel und Logistikdienstleister im DACH-Raum geht es dabei nicht nur um ein Modul, sondern um die Frage, wo die Lagerlogistik künftig läuft. Diese Seite trennt die drei Fristen, die im Markt regelmäßig verwechselt werden, und leitet daraus einen belastbaren Zeitplan ab. Die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 endet am 31.12.2027, die Extended Maintenance am 31.12.2030.

Drei FristenWas wirklich endetZeitplan rückwärtsRisiko bei Untätigkeit
31.12.2027
Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 und Business Suite 7 einschließlich WM
31.12.2030
Ende der kostenpflichtigen Extended Maintenance, ab 01.01.2028 verfügbar
31.12.2025
Wartungsende für SAP EWM 9.5, die SCM-basierte Standalone-Variante
5
SAP-Hinweise, die den Sachverhalt verbindlich regeln
Die drei Uhren

Welche Frist wofür gilt

Der häufigste Planungsfehler besteht darin, diese drei Sachverhalte als eine Frist zu behandeln.

FristDatumWas genau endetWen es betrifft
Compatibility Scope31.05.2026Nutzungsrechte für Compatibility-Scope-Positionen in S/4HANA, darunter LE-WM. Der ursprüngliche Stichtag 31.12.2025 wurde einmalig verlängert und von SAP ausdrücklich als finale Übergangsfrist bezeichnet.Kunden, die bereits auf S/4HANA sind und dort noch LE-WM nutzen
Mainstream-Wartung31.12.2027Reguläre Wartung für SAP ERP 6.0 und Business Suite 7 einschließlich WM und TRM. Danach keine Korrekturen und keine gesetzlichen Anpassungen mehr im Standard.alle Kunden, die noch auf ERP 6.0 betrieben werden
Extended Maintenance31.12.2030Kostenpflichtige Verlängerung, verfügbar vom 01.01.2028 an. Sie hält das System lauffähig, bringt aber keine Weiterentwicklung.Kunden, die den Umstieg bis 2027 nicht schaffen und dafür zahlen
SAP EWM 9.531.12.2025Wartungsende für das klassische, SCM-basierte Standalone-EWM. Nicht zu verwechseln mit dem S/4HANA-basierten dezentralen EWM, das darüber hinaus weiterläuft.Kunden mit EWM auf SCM-Basis

Für Stock Room Management gibt es keine dieser Fristen. SAP hat dafür kein Wartungsende publiziert, aber auch keine Weiterentwicklung zugesagt. Beide Aussagen gehören zusammen genannt. Wer im Markt eine konkrete Jahreszahl für das Ende von Stock Room Management liest, sollte deren Quelle prüfen, denn belastbar ist sie nach derzeitigem Stand nicht.

Was wirklich endet

Wartungsende heißt nicht Systemstillstand

Ein abgekündigtes System läuft technisch weiter. Das Risiko entsteht an anderer Stelle.

Was nach dem Stichtag passiert

Das System schaltet sich nicht ab. Es erhält lediglich keine regulären Korrekturen mehr, keine Anpassungen an geänderte gesetzliche Anforderungen und keine Sicherheitspatches im gewohnten Rhythmus. Die betriebswirtschaftliche Funktion bleibt zunächst erhalten.

Das eigentliche Risiko ist kumulativ. Es entsteht dort, wo sich Recht ändert, wo Schnittstellenpartner ihre Formate anpassen, wo Betriebssysteme und Datenbanken aus der Freigabematrix laufen und wo im Fehlerfall kein Support mehr greift.

Die drei realen Risiken

  • Lizenzrisiko: Die Nutzung nach Ablauf der Compatibility-Scope-Rechte verletzt die Lizenzbedingungen und wird bei einem Audit auffällig
  • Compliance-Risiko: Ohne gesetzliche Anpassungen laufen Anforderungen aus Steuer-, Verpackungs- und Produktrecht ins Leere, während die Pflichten bestehen bleiben
  • Betriebsrisiko: Im Störfall gibt es keinen regulären Support. Bei einem Lagerstillstand steht der physische Warenfluss, nicht nur ein Bildschirm
Kein Risiko davon tritt am Stichtag ein. Alle drei wachsen mit jedem Monat danach.
Zeitplan

Der Terminplan von hinten gerechnet

Bei einer typischen EWM-Projektdauer von rund einem Jahr und mehr ergibt sich der Startzeitpunkt zwingend aus dem Zieltermin.

01

Scope-Analyse, 4 bis 8 Wochen

Auswertung, welche WM-Funktionen tatsächlich genutzt werden, insbesondere die sieben in Stock Room Management entfallenen Blöcke. Der SAP-Hinweis 2882809 beschreibt den zugehörigen Scope Compliance Check. Ergebnis ist die Antwort auf die Frage, ob Stock Room Management überhaupt zulässig ist.

02

Zielbild und Variantenentscheidung, 6 bis 10 Wochen

Entscheidung zwischen Stock Room Management, embedded EWM, dezentralem EWM und einem spezialisierten WMS. Hier gehört die Lizenzklärung mit SAP hinein, weil embedded Advanced und dezentrales EWM zusatzlizenzpflichtig sind und ohne Preisauskunft keine Budgetplanung möglich ist.

03

Konzeption und Realisierung, 6 bis 12 Monate

Prozessdesign, Customizing, Schnittstellen, Testphasen und Schulung. Bei Automatikanbindung über EWM-MFS kommen Anlagentests hinzu, die nur im laufenden Betrieb der Anlage möglich sind und deshalb schwer zu terminieren.

04

Cutover und Hypercare, 4 bis 12 Wochen

Offene Transportbedarfe und Transportaufträge schließen, Bestände übernehmen, umschalten. Die Bestandsdatenübernahme erfordert einen Stillstand des Tagesgeschäfts und gehört in ein Wochenende oder eine Betriebsruhe. Danach folgt eine intensive Stabilisierungsphase am realen Auftragsvolumen.

In der Summe ergeben sich 12 bis 22 Monate. Wer den Termin 31.12.2027 halten will, muss die Scope-Analyse also spätestens Anfang 2027 abgeschlossen haben. Für Unternehmen, die diesen Puffer bereits verloren haben, ist der Phasenansatz mit dezentralem EWM die naheliegende Option, weil er Lager- und ERP-Migration entkoppelt und damit den Termindruck auf zwei getrennte Zeitachsen verteilt.

Handlungsoptionen

Vier Wege und ihre Voraussetzungen

Welcher Weg offensteht, entscheidet die Scope-Analyse, nicht die Präferenz.

Weg 01

Stock Room Management

Zulässig nur ohne die sieben entfallenen Funktionen. Aufwandsärmster Weg, im S/4HANA-Standard enthalten, ohne zugesagte Weiterentwicklung.

  • Voraussetzung: kein Lagersteuerrechner, keine Wellen, keine VAS
  • Risiko: erneute Migration bei späterem Automatisierungsschritt
Weg 02

Embedded EWM

Voller Funktionsumfang im selben S/4HANA-System. Basic ist im Lizenzumfang enthalten, Advanced zusatzlizenzpflichtig.

  • Voraussetzung: S/4HANA-Migration ist bereits erfolgt oder geplant
  • Vorteil: eine Systemlandschaft, kein Schnittstellenaufwand
Weg 03

Dezentrales EWM

Eigenes S/4HANA-System für das Lager, ab Release 1809 FPS01, zusatzlizenzpflichtig. Kann mehrere SAP- und Non-SAP-ERP-Systeme anbinden.

  • Vorteil: entkoppelt Lager- und ERP-Migration terminlich
  • Vorteil: Lagerbetrieb unabhängig vom ERP-Downtime
Weg 04

Spezialisiertes WMS

Ein Anbieter außerhalb des SAP-Portfolios, angebunden über Schnittstellen. Im DACH-Markt stehen dafür rund 100 Anbieter zur Verfügung.

  • Sinnvoll bei hoher Automatisierung oder Mandantenfähigkeit
  • Aufwand verlagert sich von Customizing zu Integration
Alternativen zu SAP WM
Weg 05

Extended Maintenance

Kostenpflichtige Verlängerung bis 31.12.2030. Kein Zielbild, sondern gekaufte Zeit, die für eine der anderen Optionen genutzt werden muss.

  • Sinnvoll als Puffer, nicht als Entscheidung
  • Kosten fallen zusätzlich zum späteren Projekt an
Weg 06

Nichts tun

Der Vollständigkeit halber: technisch möglich, wirtschaftlich riskant. Lizenz-, Compliance- und Betriebsrisiko wachsen mit jedem Monat nach dem Stichtag.

  • Kein empfehlenswerter Weg, aber der real häufigste
FAQ

Häufige Fragen im Überblick

Die 8 Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Wann genau endet die Wartung für SAP WM?

Die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 und die Business Suite 7 einschließlich des Lagermoduls WM endet am 31.12.2027. Anschließend ist vom 01.01.2028 bis zum 31.12.2030 eine kostenpflichtige Extended Maintenance verfügbar. Getrennt davon endeten die Nutzungsrechte für den Compatibility Scope in S/4HANA, unter den LE-WM fällt, bereits am 31.05.2026 nach einer einmaligen Verlängerung des ursprünglichen Termins 31.12.2025.

Läuft SAP WM nach dem Wartungsende einfach weiter?

Technisch ja, das System schaltet sich nicht ab. Es erhält aber keine regulären Korrekturen, keine Anpassungen an geänderte gesetzliche Anforderungen und keine Sicherheitspatches im gewohnten Rhythmus mehr. Das Risiko ist deshalb kumulativ und nicht schlagartig: Es wächst mit jeder Rechtsänderung, jeder Formatanpassung eines Schnittstellenpartners und jedem Betriebssystem-Update, das aus der Freigabematrix läuft. Hinzu kommt das Lizenzrisiko bei einem SAP-Audit.

Ist Stock Room Management ein vollwertiger Ersatz für WM?

Nein. Stock Room Management bildet den Kern von LE-WM ab, aber sieben Funktionsblöcke entfallen ersatzlos: Task and Resource Management, die Lagersteuerrechner-Anbindung, Value Added Services, Yard Management, Cross-Docking, Wave Management und dezentrales WM. Für Lager mit Fördertechnik, Wellenkommissionierung oder abrechenbaren Zusatzleistungen ist es damit keine Option. Der SAP-Hinweis 2882809 beschreibt den Scope Compliance Check, mit dem sich die tatsächliche Nutzung prüfen lässt.

Hat Stock Room Management selbst ein Wartungsende?

SAP hat für Stock Room Management kein Wartungsende publiziert. Ebenso wenig hat SAP eine Weiterentwicklung zugesagt. Beide Aussagen gehören zusammen: Das Modul ist regulärer Bestandteil von S/4HANA ab Release 1909 und damit nicht befristet, wirkt funktional aber eingefroren. Im Markt kursierende konkrete Enddaten für Stock Room Management sind nach derzeitigem Stand nicht belegbar und sollten vor einer Planungsentscheidung an der Primärquelle geprüft werden.

Wie lange dauert die Umstellung von WM auf EWM?

Realistisch sind 12 bis 22 Monate von der Scope-Analyse bis zum stabilen Betrieb. Beratungsangaben nennen für die eigentliche EWM-Einführung rund ein Jahr und mehr, hinzu kommen Vorlauf für Analyse und Variantenentscheidung sowie Cutover und Hypercare. Bei mehreren Standorten oder Automatikanbindung liegt die Laufzeit deutlich darüber. Wer den Termin 31.12.2027 halten will, muss die Scope-Analyse spätestens Anfang 2027 abgeschlossen haben.

Was ist der Compatibility Scope und warum ist er wichtig?

Der Compatibility Scope räumte S/4HANA-Kunden befristete Nutzungsrechte für bestimmte Funktionen aus der alten Business Suite ein, darunter LE-WM. Diese Rechte endeten nach einer einmaligen Verlängerung am 31.05.2026. Die Nutzung darüber hinaus verletzt die Lizenzbedingungen und wird bei einem SAP-Audit auffällig. Wichtig ist die Abgrenzung: Einige Compatibility-Positionen wie LE-TRA oder PP-PI haben verlängerte Rechte bis 2030, WM und EWM gehören ausdrücklich nicht dazu.

Können wir das Lager migrieren, ohne gleichzeitig das ERP umzustellen?

Ja, über den Phasenansatz mit dezentralem EWM. Dabei wandert die Lagerverwaltung in ein eigenes S/4HANA-System, während das bestehende ERP zunächst weiterläuft. Damit sind Lager- und ERP-Migration terminlich entkoppelt und die beiden Fristen laufen auf getrennten Zeitachsen. Für Unternehmen, die den Puffer für eine vorgelagerte ERP-Migration bereits verloren haben, ist das häufig die einzige Option, die den Zeitdruck noch auflöst.

Sollten wir das Wartungsende zum Anlass nehmen, den Anbieter zu wechseln?

Das ist eine ergebnisoffene Prüfung wert, aber kein Automatismus. Für Signale wie hohen Automatisierungsgrad, mandantenfähige Kontraktlogistik oder fehlende SAP-Kapazität kann ein spezialisiertes WMS die bessere Antwort sein. Für einen SAP-Bestandskunden mit überschaubarer Lagerkomplexität wiegt die Nähe zum ERP dagegen schwer. Sinnvoll ist, die Entscheidung mit dem eigenen Mengengerüst und Prozessprofil zu beginnen und erst danach Systeme zu vergleichen.

Vom Wartungsende zur belastbaren Entscheidung

Ob EWM, Stock Room Management oder ein spezialisiertes WMS: Die Antwort ergibt sich aus Ihrem Mengengerüst und Ihrem Automatisierungsgrad, nicht aus der Systemherkunft.

Quellen: SAP Maintenance Strategy zu Business Suite 7 und ERP 6.0 · SAP News Center zur finalen Übergangsfrist für Compatibility Packs, Dezember 2025 · SAP Learning, Differentiating the SAP Solutions for Warehouse Management · SAP-Hinweise 2269324, 2270211, 2577428, 2881166 und 2882809 · Stand aller Angaben: 09/2026. SAP-Hinweise werden laufend aktualisiert und sind vor einer Projektentscheidung im SAP ONE Support Launchpad gegenzuprüfen.